Freiraum

Findlinge

"Vor allen Dingen, ihr Geradlinigen, gebt acht in den Kurven!"

Stanislaw Lec

If two men on the same job agree all the time, then one is useless.
if they disagree all the time, then both are useless.

Daryl F. Zanuck, amerikan. Filmproduzent, 1902-1979

Arbeiten, um nicht denken zu müssen, ist auch Faulheit.

Erhard Blank

Was wir von Meisen lernen können: Kooperation
Anfang des 20. Jahrhunderts führte eine britische Molkerei ein neues, landesweites Verteilungssystem ein und deponierte die Milchflaschen direkt vor den Haustüren der Kunden. Die Flaschen hatten keinen Verschluss und so stibitzten Meisen und Rotkehlchen aus den offenen Hälsen Milch. Den Kunden gefiel das gar nicht und die Molkerei verschloss die Flaschen mit Aluminiumsiegeln. Die Meisen störte das herzlich wenig. Die gesamte Population lernte relativ schnell, die Siegel mit ihren Schnäbeln zu durchstoßen. Von den Rotkehlchen gelang das hingegen nur den wenigsten. Warum?
Der renommierte amerikanische Biochemie-Professor Allan Wilson ist dieser Frage nachgegangen. Beide Singvögel bedienen sich der gleichen Kommunikationsmittel wie Farbe, Bewegung und Gesang. Doch Rotkehlchen sind territoriale Vögel. Sie unterteilen den Garten in einzelne Reviere. Ihre ausgeprägten Kommunikationsfähigkeiten setzen sie hauptsächlich dafür ein, ihre Reviergrenzen zu verteidigen und anderen Artgenossen mitzuteilen, dass sie hier schleunigst die Biege machen sollen. Die Meisen dagegen sind organisierte Gruppenvögel, die sich vor allem auch im Winter zu kleinen Schwärmen von bis zu zehn Vögeln zusammenschließen. Sie kommunizieren mit- und nicht gegeneinander, zeigen einen starken Zusammenhalt, lernen voneinander und können so Probleme schneller und besser lösen.
Diese Geschichte zeigt uns, dass sich Probleme in einer starken und offenen Gemeinschaft offensichtlich besser lösen lassen als alleine.
"Niemand kann und weiß alles. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Jeder kann einen wertvollen Beitrag leisten. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass man sowohl gewillt als auch gefordert ist, aktiv an Entscheidungsprozessen mitzuwirken, sein Wissen mit anderen zu teilen und von anderen zu lernen."

Essay von Jens Möller: Gefiederte Teamplayer
changeX.de - online-Medium für Zukunftsideen, neue Wirtschaft und Innovation

Resilienz ist die Fähigkeit, Ihren Kummer zu kanalisieren, statt zu explodieren. - Resilienz ist die Fähigkeit, negative Gefühle in positive Emotionen umzugestalten. - Resilienz ist die Fähigkeit, sich zu wehren. - Resilienz ist die Fähigkeit, Rückschläge auszuhalten. - Resilienz ist der Wille zu überleben. - Resilienz führt schließlich dazu, dass Sie am Morgen im Spiegel Ihr fröhliches und kein verbittertes, trauriges oder zorniges Ich sehen.

Doubek, Katja: Was uns nicht umbringt, macht uns stark.

Nichts kann jemals vollständig erledigt werden - Alles was Sie tun hat Auswirkungen jenseits der beabsichtigten, auch indirekte und langsame Wirkungen.
Planen Sie das Organigramm neu - Lassen Sie sich nicht von der konventionellen Darstellung der Organisation einfangen. Formulieren Sie neu, schreiben sie um, und ersetzen beispielsweise die Titel mit der Wirkung, die die Personen auf Sie haben.

Karl E. Weick "Der Prozeß des Organisierens"

Warum wir besser arbeiten, wenn wir spielen
Die Unternehmen der Zukunft müssen Spielräume schaffen. Um neue Lösungen zu entwickeln. Um eine Wissensexplosion zu entfachen. Um nicht nur Leistung, sondern auch persönliches Engagement und Verantwortungsgefühl des Einzelnen zu steigern. Spielen zielt im Kontext der Arbeit auf die innere Haltung ab.

Arne Gillert, Der Spielfaktor
www.youtube.com/watch?v=daSZQ3UxK8c

Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist meine Schneiderin. Sie nimmt jedesmal neu Maß, wenn sie mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.

George Bernard Shaw, irisch-britischer Dramatiker und Politiker (1856-1950)

Wenn man nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel.

Paul Watzlawick

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist größer in der Praxis als in der Theorie
unbekannt

Our best thoughts come from others!
Ralph Waldo Emerson
oder: Man kann nichts Neues denken, außer man redet mit anderen Leuten.
Grace Pampus

Zukunftsforscher Karlheinz Steinmüller entwirft drei Visionen vom zukünftigen Arbeiten.
Die Prekarier": leben am Rande des Existenzminimums. Vollzeitjob und Festanstellung - das war einmal. Sie schlagen sich mit wechselnden Jobs durch, springen als Leiharbeiter ein. Sie sind "die Tagelöhner des postindustriellen Zeitalters".
Die "Cyberteams": Multispezialisten, verfügen nicht nur über ausgezeichnete fachliche, sondern auch soziale und kommunikative Kompetenzen. Für sie ist die Arbeit in vernetzten, dezentralen Teams eine Selbstverständlichkeit  auch über Kontinente hinweg. Sie entwickeln ein Gefühl dafür, auf wen Verlaß ist. Wichtig ist, dass alle konstruktiv mitspielen und keiner sein Wissen hinter dem Berg hält.
Die "Artisanen": hoch spezialisierte Kleinsthersteller, die all das herstellen, was "nicht uniform in Millionen Exemplaren benötigt wird". Sie verwischen die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk - Einmaligkeit ist Trumpf, auch Kreativität und Qualität - und bedienen die fragmentierten und individualisierten Märkte der Zukunft.

Auszüge aus: Karlheinz Steinmüller, Von Artisanen, Cyberteams und Prekariern. Visionen vom zukünftigen Arbeiten
In: Die Arbeitswelt von morgen: Wie wollen wir leben und arbeiten? Hrsg. Karin Kaudelka, transcrpit Verlag

Etwas bloß als Hindernis zu betrachten ist selbst schon ein Hindernis. Hartnäckiges Vermeiden von Hindernissen verhindert, dass wir die im Hindernis verborgene oder durch es in uns angesprochene Ressource ... entwickeln.

in: Ganz im Gegenteil , Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer

Neu leben Betrachtet man die Überflussgesellschaften westlicher Prägung als ein großes Experiment, dann haben die letzten Jahrzehnte gezeigt, dass das Wohlergehen eines Individuums nur bis zu einem gewissen Grad mit der Mehrung seines materiellen Besitzes korreliert. Ist ein gewisses Maß an Wohlstand erreicht, führt eine weitere materielle Wohlstandsmehrung nicht automatisch zu mehr Wohlbefinden. Vielmehr verdichten sich die Hinweise, dass die treibenden Kräfte unserer konsumbasierten Wirtschaftsordnung das menschliche Wohlbefinden nicht fördern, sondern ihm sogar abträglich sind.

Zukunftskolumne 5: Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Wachstumsdilemma. Text: Cornelius Patscha / www.changex.de

Führung bedeutet, starke Entscheidungen unter schwierigen Bedingungen zu treffen und dabei Halt für andere zu geben - ohne Anspruch darauf zu erheben, es immer zu können.

Matthias Varga von Kibéd, SySt-Institut München

Mit der Drehung des Kopfes löst sich nicht das Problem, sondern es ergeben sich Blickwinkel, aus denen sich die Lösung ergibt.

(Alte Eulenweisheit)

Die meisten verwechseln Dabeisein mit Erleben.

Max Frisch in: "Mein Name sei Gantenbein" von 1964

Wer frei und abstrakt denken will, sollte sich dazu auf keinen Fall in einen niedrigen Raum setzen.

US-Forschungen haben nachgewiesen, dass kreativ Arbeitende hohe Büroräume brauchen. "Strategen, Planer, jeder, der Initiativen und Trends entwickelt, wird deutlich besser in hohen Räumen arbeiten können", erklärt die Marketingexpertin Joan Meyers-Levy von der Universität Minnesota.

in: Fachmagazin"Journal of Consumer Research"

Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind - und andere nicht.
Das neue Buch von Malcolm Gladwell
Campus Verlag

Der Bestsellerautor behauptet, individueller Erfolg sei nicht planbar: Der Mythos vom Selfmademan ist ein modernes Märchen. Erfolg lässt sich nicht als Ergebnis persönlicher Anstrengungen erklären. Natürlich zählen Talent und Fleiß. Doch niemand kommt aus dem Nichts. Alle Überflieger dieser Welt profitierten von besonderen Vorteilen, außergewöhnlichen Chancen und einem fördernden kulturellen Umfeld. Die Konsequenz: Unsere Gesellschaft muss Chancen neu denken.

"Man erzählt, dass drei Schiedsrichter über die Frage des Pfeifens von unvorschriftmäßig ausgeführten Schlägen uneins waren. Der erste sagte: 'Ich pfeife sie, wie sie sind.' Der zweite sagte: 'Ich pfeife sie, wie ich sie sehe.' Der dritte und cleverste Schiedsrichter sagte: 'Es gibt sie überhaupt erst, wenn ich sie pfeife.' "

Der Schiedrichter, der korrekterweise behauptet 'Es gibt sie überhaupt erst, wenn ich sie pfeife', zeigt recht treffend ein zentrales Element des Organisationslebens auf: die wichtige Rolle, welche die Leute bei der Schaffung der Umwelten spielen, die sich ihnen aufdrängen. Organisationen sind trotz ihrer scheinbaren Inanspruchnahme durch Fakten, Zahlen, Objektivität, Konkretheit und Verantwortlichkeit in Wahrheit voll von Subjektivität, Rätseln, Schau, Erfindung und Willkür . . . ganz wie wir alle.

in: Karl E. Weick "Der Prozeß des Organisierens"

Freiraum
Jedes Mal
Wenn ich an dich denke
entsteht in meinem Kopf ein freier Raum
eine Art Vorraum zu dir
in dem sonst nichts ist
Ich stelle fest am Ende jedes Tages
Dass viel mehr freier Raum
In meinem Kopf übrig gewesen sein muss
Als ich sonst glaubte

Erich Fried

"Wer mit seinem Latein am Ende ist, sollte es mal mit seiner Muttersprache probieren."

in: Es bleibt alles ganz anders
von Bernd-Lutz Lange , Kabarettist in Leipzig

Das Hegen guter Absichten ist eine äußerst anspruchslose Geistestätigkeit!

"Zuerst hört man nur die Nachrichten selbst, man stößt mit dem bloßen Sachverhalt wie mit einem festen Körper zusammen. Später erfährt man die Einzelheiten, die dem jeweiligen Geschehnis entnommen und nun als allgemeines Unterhaltungsgut die Räume zwischen den Menschen füllen. Und die Nachricht verändert sich stets zwischen Eingang und Ausgang, dem Ohr und dem Mund, liegt die Landschaft, auf der Geschichten wachsen oder schrumpfen. Jeder verfährt mit dem Gehörten, bevor er es weitergibt, so, wie es mit ihm selbst bestellt ist: Der eine beschneidet, während der andere es in alle Richtungen wuchern läßt, der wieder andere zieht es durch seine Sonne, während der nächste darüber seinen Schatten streut."

in: Galsan Tschinag: Der weiße Berg

Chef sein

Produktiv träumen. Mit einer Vision erwachen. Dem Team daheim die Tageslosung hinterlassen. Ins Büro. Mannschaft zusammenrufen. Vision verkünden. Zweifler überzeugen. Renegaten kaltstellen. Akklamationen entgegennehmen. Mit dem Controller Zahlen durchgehen. Staunen. Übernahme des letzten Konkurrenten vorbereiten. Boni für die Getreuen erhöhen. In Berlin anrufen. Regierung den Marsch blasen. Mit sich im Reinen sein. In die Ferne schauen. Vor Glück weinen.

in: brand eins

Es ist alles so schnell geworden. Man muß sich jetzt schon an die Gegenwart erinnern.

360-Grad-Beurteilung oder der unheimliche Charme der Totalüberwachung

Bei der 360-Grad-Beurteilung handelt es sich ... um eine entpersönlichte Strategie der Disziplinierung: Man ist gleichsam umzingelt von Punktrichtern. (Sie) stellt das Individuum in ein Feld der Überwachung und verstrickt es gleichzeitig in ein Netz von Urteilen ... Eine 360-Grad-Beurteilung ohne Konsequenzen ist die Inszenierung des Scheins. Sie alimentiert nur den grassierenden Zynismus. ... Die Gestaltgeste der Organisation heißt: "Rechtfertige dich!"

in: Reinhard K. Sprenger "Aufstand des Individuums"

Eine der verbreitetsten Krankheiten ist die Diagnose.

Karl Kraus

"Führungskräfte müssen lernen, mit Situationen zurecht zu kommen, in denen sie nichts befehlen können, in denen sie selbst weder kontrolliert werden noch Kontrolle ausüben können. Wo es ehedem um eine Kombination von Rang und Macht ging, wird es in Zukunft Verhältnisse wechselseitiger Übereinkunft und Verantwortung geben."

Peter F. Drucker

"Die Arbeistlosigkeit ist das Resultat eines riesigen Erfolges - des gelungenen Projektes, mit immer weniger Arbeit immer mehr zu produzieren. Und es ist doch ganz klar, dass wir nur einen Mechanismus brauchen, damit möglichst viele davon profitieren."

Sascha Liebermann, Sozialwissenschaftler, Initiator der Plattform "Freiheit statt Vollbeschäftigung": zitiert in brand eins, Wirtschaftsmagazin

Ein Meister und sein Schüler kamen auf ihrer Wanderung zu einem Fluss. An seinem Ufer stand ein junges, hübsches Mädchen. Der Meister sah, dass der Fluss zu reißend war, als dass ihn das Mädchen überqueren konnte, so nahm er sie auf seinen Arm und trug sie ans andere Ufer. Dort setzte er sie ab und ging weiter. Am Nachmittag fragte plötzlich der Schüler, der schon lange vor sich hingegrübelt hatte: »Meister, wie konntest du? Es ist uns doch verboten, Kontakt zu Frauen zu haben!« Darauf der Meister: »Ich habe die Frau am Ufer zurück gelassen. Trägst du sie immer noch?«

z.B. Ein kleines Büchlein über die Frechheit:

Die Frechheit ist eine Tugend, die die tugendhaften Leute nur schwer ertragen. . . . Das Gewohnte herausfordern, das gesellschaftlich Festgelegte, das, was "man tut", in Zweifel ziehen.

aus:
Michael Meyer: Über die Frechheit, Elster Verlag 1997

Allerhand, allerhand,
was ich so am Wege fand . . .